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Meine Zusage, an der CeBIT 2017 teilzunehmen war spontan. Und ich wusste, dass es ein kraftzehrendes Abenteuer wird. Zum einen weil zwischen Zusage und Beginn der CeBIT nur eine Woche lag, zum anderen weil es dort erstmals eine eigene Halle für Augmented Reality und Virtual Reality Anbieter gab und Last But Not Least, weil es der perfekte Termin sein würde, unsere neue Marke: „mymo reality“ vorzustellen.

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Keine Frage – die Gelegenheit hat sich geboten und ich musste zugreifen. Die CeBIT ist seit meinen Kindheitstagen der wohlklingende Name DER Messe, bei der Zukunftstechnologien vorgestellt und verhandelt werden. Und nun mit einer eigener Halle genau für die Technologien Augmented Reality, Virtual Reality und Mixed Reality, für die wir seit mehr als 4 Jahren angetreten sind und inzwischen einiges an Know- How aufgebaut haben.

Auch, wenn die Messe sich inzwischen ein wenig gewandelt hat ist sie zumindest in Deutschland wahrscheinlich immer noch DIE IT- Messe, auf der man sich im europäischen Raum informiert.

Vorbereitung

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Zur Vorbereitung gab es einiges zu tun: Wir durften unseren Stand in Zusammenarbeit mit VRBase auf die CeBIT bringen und selbst wenige Tage vor der Messe waren wichtige Details, wie z.B. die Auf- und Abbauzeiten, Messetickets, usw. noch nicht bekannt. Aber mit solchen Problemen können wir inzwischen gut umgehen.

Augmented Reality, Virtual Reality und Mixed Reality sind zwar inzwischen in vieler Munde, aber noch immer Bleeding Edge Technologien. Es gibt wenig größere Unternehmen oder Verbände, Strukturen bauen sich gerade erst auf und es kann und soll noch gar nicht so geordnet ablaufen, wie in vielen anderen, vielleicht langweiligeren, Branchen, in denen es keine Überraschungen mehr gibt. Auch deswegen lieben wir was wir tun, und wie wir es tun. Es ist neu, spannend, es gibt keine vorgefertigten Wege und vieles, was man tatsächlich noch zum ersten Mal tut. Ich bin so froh, dass wir ein Teil dieser flirrenden Community sind und mit unserem Tun mitgestalten können.

Auch Hotelzimmer für eine Woche und mehrere Personen in Hannover zu bekommen ist schwierig, wenn CeBIT ist und man erst drei Tage vorher den genauen Zeitplan kennt. Aber mit unseren hervorragenden Mitarbeitern im Back-Office war das eher noch eine leichte Aufgabe

mymo reality

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Der schwierigste Part war der mymo reality Part.

Mymo-Reality ist aus einer Idee zu Beginn 2015 entstanden. Im Sommer 2015 haben wir mymo als Marke angemeldet.

Mit mymo wollen wir den Zugang zu eigenem Augmented Reality, Virtual Reality und Mixed Reality Content besonders für den deutschen Mittelstand demokratisieren. Unser Ansporn ist, die verfügbaren Werkzeuge so einzusetzen, dass sich die Unternehmen auch ohne horrende Budgets eigene Apps mit ihren eigenen Vorstellungen in dieser Technologie leisten können. Und dafür steht mymo: für Meine eigene Mixed Reality App. Wenn die Branche sich auf keinen Namen eignen kann, die Technologie zu beschreiben, mal von Mixed, mal von Augmented oder Virtual Reality spricht, setzen wir einfach unseren eigenen Namen ein, den wir machen da wenig Unterschiede: mymo reality. In nicht allzu ferner Zukunft benötigen wir dafür sowieso keine differenzierten Namen mehr, da diese Technologie einfach in unseren Alltag, in unsere eigene Realität übergehen wird. Mymo reality eben.

Aufbau

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Wir sind Optimisten, schon immer gewesen. Und so haben wir auch keine Zweifel gehabt, dass der Messestand und alles, was wir während der Woche CeBIT brauchen würden in ein normales Auto, eine Limousine passt.

Nun, es hat gepasst, Aber fragt nicht wie und es hat länger gedauert ;-)

Sonntag Mittag waren wir dann vor Ort und hatten Glück. Wir konnten mit dem Auto direkt vor unseren Stand fahren und mit dem Aufbau beginnen.
Ich ging die anderen Stände ab und fragte mich, ob wir nicht etwas zu viel Vorbereitung betrieben hatten: Zwar waren die Jungs der VRBase vor Ort, aber noch keine anderen Crews, die die geschätzen 10 leeren Stände aufbauten. Und es war ja nur noch ein halber Tag Zeit.
Wie sich herausstellen sollte, waren einige der Stände auch Montag zu Beginn der Messe noch nicht aufgebaut.
Aber auch deshalb sollte sich im Laufe der Woche ein ganz besonderes Flair um unsere AR/ VR Area ausbreiten.
Zu unserem Stand: Zum ersten Mal komplett in Eigenregie, war klar, dass etwas schief gehen würde und das hat unseren Auftritt leider etwas verhagelt: Wir hatten Planen zur Komplettverkleidung unseres Standes dabei, die wir leider nicht wie geplant anbringen konnten, da zwischen der Rückwand und den Seitenwänden Querverstrebungen im 45 Grad Winkel abgingen. Wir mussten die Planen also tiefer hängen, weshalb oben herum unsere gesamte Befestigung zu sehen war, während es unten auf dem Boden auflag und Falten warf. Kurz: Nicht so schön, wie geplant, sondern ziemlich improvisiert aussah. Aber damit waren wir nicht die Einzigen. Wir haben zumindest am Ende darüber gelacht und mit Sicherheit etwas gelernt.

Messebeginn

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Montag früh: Messeauftakt. Was war das für ein Tag. Noch auf dem Weg zur Messe wurden wir darüber informiert, dass in unserem Büro sowohl Internet, als auch Telefon komplett ausgefallen waren und keine Lösung in Sicht sei.
Fünf Minuten später standen wir vor unserem Messestand und mussten feststellen, dass die besagten Rückwände, die wir am Sonntag mühevoll angebracht hatten, komplett abgefallen waren.
Wir brachten also die Rückwände wieder an, suchten nach einer Lösung, dass auch die Kommunikation aus unserem Back- Office funktioniert und fuhren unsere Systeme hoch, um die ersten Messebesucher zu begeistern.
Als wir diese Probleme gelöst hatten, kam ein Techniker der Messe, der ein Problem am Nachbarstand lösen sollte und upps, zog uns ausversehen den Strom für den kompletten Stand, es wurde alles dunkel.
Also nochmal von vorn. Später am Tag übrigens ist der Strom ein weiteres Mal für unseren und unsere Nachbarstände ausgefallen.
Außenstehende haben von all dem natürlich so gut wie nichts mitbekommen und stattdessen neugierig und begeistert unsere Anwendungen ausprobiert.

Messe- Alltag

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Am zweiten Tag hatten wir unsere Probleme mit den Rückwänden endgültig gelöst und sie sollten bis zum Ende der Messe halten. Wir konnten uns endlich voll auf das konzentrieren, wofür wir da waren: Augmented Reality, Virtual Reality und Mixed Reality.

Dank unseres hervorragenden Mitarbeiters Sebastian hatte ich etwas Luft an Vorträgen teilzunehmen, anderen Stände unter die Lupe zu nehmen und Kontakte zu knüpfen.

Die doch etwas überraschende Erkenntnis daraus: Auch große DAX- Unternehmen zeigten auf der CeBIT Augmented Reality, Virtual Reality oder Mixed Reality Anwendungen. Allerdings fühlten sich diese Anwendungen eher an, als wenn irgendjemand dort gesagt hätte: „Die Technik ist gerade in aller Munde, wir brauchen auch was für die Messe“ und dann einfach irgendetwas umgesetzt wurde. Leider wurde dabei weder das Potential ausgeschöpft, noch wurde sichtbar wofür diese Techniken sinnbringend eingesetzt werden könnten.

Ganz anders bei uns in Halle 17: Die für mich beeindruckendste Anwendung kam von Pool3, die das Cockpit eines echten Gabelstaplers aufgebaut hatten, den man mittels VR steuern konnte. Jeder der das ausprobiert hat, kennt danach zumindest ein Potential von Virtual Reality: Ich bin überzeugt davon, dass ich nach dieser kurzen Session einen echten Gabelstapler bedienen und ihn sogar reparieren kann. Ich habe alle diese Schritte in VR mit meinen eigenen Händen ausgeführt. Gelernt eben.

Auch die Virtual Reality Anwendung zur Schmerztherapie von unseren Standnachbarn VirtualSpice war sehr beeindruckend. Weniger wegen der Technik, sondern weil sie Potentiale aufzeigt, die mit anderen Techniken überhaupt nicht umsetzbar sind.

Und Spaß macht Virtual Reality natürlich: Auch wenn ich denke, dass sich VR im Hausbgebrauch zumindest in den nächsten Jahren noch nicht durchsetzen wird, so hat ein Boom bereits begonnen, nämlich das Revival der Spielhallen. Wir werden auch in Deutschland in den nächsten Jahren solche VR- Spielhallen aus dem Boden sprießen sehen. Ein paar gibt es schon. Und wir werden dort alle hingehen. Denn es gibt dort Unterhaltung, wie sie bisher gar nicht, oder nur mit sehr viel mehr Aufwand (und damit nicht für den Massenmarkt) möglich war.

Dieses Feld wurde perfekt von unseren anderen Standnachbarn, den VR-Nerds bespielt. Sie stellten exklusiv auf der CeBIT ihr brandneues Spiel Tower-Tag vor.

Tower-Tag ist ein Multiplayer- Spiel, dessen Konzept perfekt auf die Gegebenheiten in einer Spielhalle angepasst sein dürfte: Besonderes Highlight ist die Art der Fortbewegung über die Plattformen hinweg, welche überhaupt keine Motion-Sickness erzeugt und die Türme, die als Deckung dienen. Diese sind nämlich nicht nur in VR zu sehen, sondern stehen in der echten Welt exakt an dieser Stelle und man kann sie anfassen.

Sebastian und ich haben uns als Team [nɜːd]lingen zum Deathmatch Turnier angemeldet, das den ersten Tower-Tag Weltmeister küren sollte.

Wir hatten extrem viel Spaß, sind ins Schwitzen gekommen und im Viertelfinale leider ausgeschieden.

Ich bin überzeugt davon, dass diese Art der Unterhaltung in Zukunft einen etwas höheren Stellenwert einnimmt, als z.B. LaserTag, Kartbahn oder Kino, da der Inhalt sehr viel variabler ist.

Währenddessen durften wir einigen Besuchern unseres Standes zum ersten Mal in die Virtual Reality schicken, was immer ein besonderes Vergnügen ist.

Auch Gäste, die sagten: „Uh nee, bei der letzten Anwendung ist mir schlecht geworden!“ konnten wir überzeugen, dass das nur an der Art der Umsetzung liegt und man solche Anwendungen auch sehr komfortabel, sinnbringend und intuitiv einsetzen kann.

Das Publikum war breitgefächert und genauso wie die Gespräche, die wir über die verschiedenen Einsatzszenarien der Technologien, den Sinn, die Möglichkeiten, die Entwicklung führen durften.

Dabei werden – erneut – mehrere Sachen klar: Diese ganzen Technologien stecken erst absolut in den Kinderschuhen und es liegt an uns, auszuloten, was wir damit besser machen können, als mit bestehenden Techniken. Es liegt an uns, unsere Ideen und Lösungen immer wieder vorzuführen und zu verbessern. Und – es besteht kein Zweifel, dass Augmented Reality und Virtual Reality über sehr weite Bereiche hinweg unser Leben noch mehr verändern werden, als es z.B. Mobiltelefone gemacht haben.

Community Party

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Die Stände – unserer eingeschlossen – rund um die VRBase wirkten zum Teil improvisiert, unfertig, chaotisch. Auch einige Anwendungen, die eher als Kunstprojekte zu bezeichnen sind, reihten sich dort ein.
Mit Sicherheit musste der eine oder andere Kollege von gestandenen, etablierten Konzernen mit großen Ständen auf der CeBIT darüber schmunzeln.
AR/ VR /MR sind genauso, wie unser Bereich hier, unfertige Technologien, vieles im Experimentierstatus oder im Aufbau.
Wer sich näher herangetraut hat, konnte sich diesem Flair dann aber auch nicht mehr entziehen. Bezeichnend dafür ist nicht nur der Kollege der Deutschen Bahn, der seinen VR- Stand lieber bei uns aufbaute, als in einer Nische des „echten, großen“ Deutsche Bahn auf der CeBIT.
Jeden Tag um 18:00 Uhr wurden großzügig Getränke gesponsert und wir haben rund um die VRBase zusammengestanden und uns über die Zukunft unserer Technologien ausgetauscht.
Genau dort – abends – sind nicht wenige Mitarbeiter großer Konzerne zu uns gekommen, staunend, ein bisschen neidisch vielleicht, schmunzelnd, neugierig. Haben sich auch ein Bier genommen, unter unsere Menge gemischt und mit uns diskutiert.
Ich habe an wirklich (zu) vielen Konferenzen, Messen, Workshops und der gleichen teilgenommen. Aber noch nie habe ich einen derartig heterogenen, offenen, hoffnungsvollen und neugierigen Austausch erlebt, wie an diesen Abenden.

Last Man Standing

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Freitag wurde dann bereits ab mittag fleissig abgebaut und ca. 30 min vor Messeende, war unser mymo Stand der einzige, der noch in ordnungsgemäßem Betrieb war.

Unsere Beine fühlten sich wie Spaghetti an, die Stimme setzte dann und wann aus und dann war endlich Schluss.

Halt, für uns noch nicht ganz: Wir mussten ja unseren Stand noch abbauen. Und mir war bewusst, dass die Diebstahlgefahr für unsere Geräte nirgendwann größer war als jetzt. Also konnten wir nicht einfach erstmal entspannt irgendwo was essen gehen, bis wir mit dem Auto in die Messe fahren durften, sondern mussten einfach nur warten, bis um 21:00 Uhr endlich die Tore der Messe aufmachten.

Irgendwann gegen Mitternacht war das dann aber auch erledigt.

Und so haben wir unseren ersten eigenen Messeauftritt auf der CeBIT nicht nur einfach gut überstanden: Wir haben Neues gesehen. Wir haben ganz tolle Menschen und Unternehmen, wie unser eigenes kennengelernt. Wir haben dazu beigetragen Augmented Reality, Virtual Reality und Mixed Reality für Menschen erlebbar zu machen, die die Chance bisher nicht hatten.

Es hat sich gelohnt! Und an diese intensive Woche werden wir uns noch eine Weile erinnern können…

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Torsten Biermann, Gründer und kreativer Unruheherd bei Treffpunkt Idee. Programmiert und probiert leidenschaftlich gern Neues aus.

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