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Digility 2017: Unsere XR Community präsentiert ihre neuesten Entwicklungen einem interessierten Fachpublikum. Und selbst für alle die täglich mit AR und VR zu tun haben, gab es hier so Einiges, welches sie bisher bestimmt noch nicht selbst ausprobieren konnten. Und verrückte Ideen, die erst vor Ort geboren wurden…

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Der Launch von myMo Reality

Dieses Jahr also ein neuer Versuch: Im letzten Jahr war ich zur Digility ebenfalls in Köln, habe aber fast die ganze Zeit in meinem Hotelzimmer verbracht, weil ich mit der Programmierung gleich mehrerer Apps wirklich Zeitdruck hatte.

In diesem Jahr haben wir das etwas besser geplant: Wir sind mit Treffpunkt Idee und unserer Marke mymo Realities mit einer eigenen Ausstellungsfläche vertreten gewesen.

Schon der Vorabend zur Messe war toll: Der Aufbau gestaltet sich als XR’ler relativ einfach, weil das Meiste, was man zeigen möchte virtuell ist. Und wie bei einem Klassentreffen haben wir an diesem Abend schon einige Bekannte getroffen, mit denen wir uns über unsere Stände unsere Inhalte und die Lage im Allgemeinen austauschen konnten. Dazu neue Gesichter, die vielleicht auch zum ersten Mal einen Stand aufbauten und mit denen wir wertvolle Tipps austauschten.

In jedem Fall war die Vorfreude auf den Start der Messe groß; Wir sahen, dass wir VR in einem Trampolin ausprobieren, uns in ein Fluggeschirr einhängen können und dann war da noch diese futuristische Telefonzelle… Zunächst konnten wir nur rätseln, wofür die wohl war…

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Hackathon

Doch für mich ging es erstmal und hauptsächlich zum Hackathon, der erstmals im Rahmen der Digility ausgerichtet wurde. Endlich hatte ich mir mal wieder die Zeit genommen teilzunehmen. Hackathons bringen nicht nur sehr kreative Ideen hervor, sondern bieten auch immer wieder Überraschungen, wen man wie kennenlernt. Dazu kommt dann noch die Hitze des Zeit- und Lösungsdrucks. Perfekt.

Auf den Hackathon möchte ich hier etwas näher eingehen. Es gab und gibt tolle Berichterstattung zur Digiity. Hier und hier sind Berichte zu lesen. Auch n-tv hat der Messe mehrere Berichte gewidmet. Aber vom Hackathon war relativ wenig zu hören.

Hauptsponsoren des Hackathons waren Audi,Vectorform und Salt& Pepper. Moderiert wurde er unter anderem von unserem Freund Petr Legkov.

Für mich war dieser Hackathon besonders interessant, weil Audi nicht nur konkrete Aufgabenstellungen mitgebracht hatte, sondern zu jeder davon auch noch einen Mentor und einiges an Material aufzuwarten hatte.

Im Laufe der kommenden zwei Tage diskutierte ich mit einigen Ausstellern das Für und Wider eines solchen Vorgehens.

Ist es unangebracht, dass Konzerne wie Audi Hacker unter sich versammeln und ihre Probleme quasi kostenlos lösen lassen? Ist ein Hackathon nicht zur freien Kreativitätsentfaltung ohne wirtschaftliche oder organisatorische Zwänge gedacht?

Wie gesagt, es gibt Für und Wider. Meine Meinung ist hier ganz klar: Die Digility ist eine Veranstaltung die genau dafür da ist: Sie verbindet uns, die für XR brennen, die jeden Tag neue Möglichkeiten erkunden, mit denen, die ein Potential sehen, aber nicht das Fachwissen und den Überblick haben, wie sie ihre Aufgaben genau lösen können. Die Digility ist in diesem Fall das Brennglas, das die Möglichkeit gibt, genau diese beiden Seiten zusammenzuführen. Und davon profitieren alle.

Wir bekommen Aufgaben, von denen wir vorher nicht mal geahnt haben, dass es sie gibt, geschweige denn, wen wir ansprechen müssten, wenn wir sie lösen wollten. Und die Firmen bekommen genau die Leute, die zumindest die konkreten Ideen und Prototypen quasi im Handstreich erstellen können. Eine absolute Win-win Situation.

Und die Hacker, die sich dieser Logik nicht unterwerfen wollten, machten eben etwas komplett anderes und sorgten damit für mich (und auch für viele andere) für das absolute Highlight des Hackathons, vielleicht sogar der Messe:

Am Anfang reichten nicht nur Audi sondern auch noch jemand anderes seine Aufgabe ein: Ein Mann, Künstler vielleicht. Keine Programmierkenntnisse, findet VR nur interessant. Was er beisteuert: Ein Schaukelpferd von einem Spielplatz. Also ein echtes. Was sollte man damit wohl machen?

Jeder konnte sich seine Aufgabe selbst aussuchen und so formierten sich für die verschiedenen Aufgabenstellungen recht schnell Gruppen. Im Fall des Schaukelpferdes eines Gruppe junger SAE Studenten verschiedener Fachrichtungen, die im Laufe des Hackathons (wie wir alle), viel Spaß hatten und die App Schaukeldrachenpferd schufen. Das dieses Wort in englischen Präsentationen gesprochen schon toll ist, war noch das kleineste Highlight dieser App. Etwas später mehr.

Logistikschulung für Audi

Ich entschied mich für die Aufgabenstellung, eine Schulung für neue Mitarbeiter in der Audi- Logistik zu digitalisieren, die bisher sehr zeit- und personalintensiv abläuft. Unser Mentor erklärte uns erstaunlich konkret, worum es ging, was zu beachten, was zu vermeiden ist und versorgte uns sogar mit nötigen 3D- Modellen, damit wir loslegen konnten.

In einer weiteren Gruppe ging es um ein neues Locomotionkonzept für große Areale, mit dem auch Nicht VR’ler problemlos zurecht kommen.

Auch für die Aufgabe ein neues Texteingabekonzept zu entwickeln, mit dem es möglich ist, stressfrei auch längere Texte unter der VR- Brille einzugeben, fanden sich einige Teilnehmer.

Unterstützt wurden wir auch durch Hardware, die uns zur Problemlösung zur Verfügung gestellt wurde: Z.B. ManusVR Handschuhe, Vive- Tracker oder die Hololens.

Und was an Hardware nicht vorhanden war, wurde kurzerhand von den Teilnehmern aus Gegenständen, die man in Räumen eben so findet, selbst gebaut… Wir stürzten uns also alle in unsere Arbeit und wie es bei einem Hackathon so ist, verging die Zeit nicht nur wie im Flug, sondern wurde zum Ende hin richtig eng – obwohl wir mehr als 30 Stunden Zeit hatten.

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Die harte Realität

Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen zwischendurch zumindest kurz zur Rooftop- Party der Aussteller zu gehen, nicht nur um meinen Kollegen Sebastian zu treffen, der tapfer die Besucher unserer Ausstellungsfläche betreute, sondern auch die vielen Bekannten und Freunde, die man eben auf solchen Veranstaltungen trifft.

Sebastian war einfach nur froh sitzen zu dürfen (wir hatten in unseren Standkonzept einen Stuhl oder Hocker vergessen, sorry for that – Problem erkannt, nächstemal gebannt;-)). Er war sehr zurfrieden mit dem ersten Tag: Auf der Digility gab es im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen, auf denen wir ausgestellt haben, tatsächlich nur Publikum, das sich ziemlich konkret für VR und AR interessierte und sogar schon das eine oder andere Projekt in der Tasche hatte.

Bei bestem Sonnenschein also saßen wir dort, quatschten mit diesem und jenem, machten lustige Fotos und uns auf die Suche nach dem nächsten Bier. Wir besprachen zukünftige Projekte und so manchen Unsinn, schmiedeten aber auch neue Partnerschaften (die sich schon bald auszahlen sollten ;-)).

Spätestens als die Sonne hinter den Dächern verschwunden und das Bier alle war, tickte meine Uhr ganz laut. Da war doch noch was: Richtig: Hackathon!

Wie schön wäre es gewesen, den Abend jetzt hier im Liegestuhl gemütlich mit seinen Freunden ausklingen zu lassen… Nichts da.

Ich musste wieder runter zum Hackathon. Nicht nur meine Teammates waren noch da, sondern erstaunlich viele Teilnehmer auch anderer Teams. Das hatte ich auf anderen Hackathons schon anders erlebt. Ein harter Wettbewerb :-)

Ich stürzte mich also in die Nacht, durchgängig von RedBull begleitet. Besonders die Stunden, bis es wieder hell wurde, waren ziemlich hart. Das getrunkene Bier zollte Tribut. Aber es hat gut geklappt und bis in den Morgengrauen haben wir große Fortschritte gemacht.

Und hier nochmal anzumerken, dass auch alle anderen Teams die ganze Nacht durch gut besetzt waren, auch wenn der eine oder andere für ein paar Stunden fehlte. Schließlich hatte die Digility extra für uns Feldbetten aufgebaut (die ich freilich nicht mal gesehen hab).

Das Schaukeldrachenpferd

Schaukeldrachenpferd?!

Zur Abwechslung lief ich zu Beginn des zweiten Tages noch mal durch die Projekte der anderen Teams. Sowohl beim Locomotion Team, als auch bei den Schaukeldrachenpferden hatte ich die ganze Nacht durch immer wieder beherzte Lacher gehört und wollte gucken, wie es denen so ergeht. Um 09:00 Uhr besuchte ich dann auch Sebastian an unserem myMo- Stand. Frisch geduscht stand er da voller Tatendrang und wir hatten kurz Zeit, dass ich ihn in unsere Hackathon Höhle entführen konnte.

Ich zeigte ihm das Schaukeldrachenpferd indem ich es selbst ausprobierte. Und das funktionierte folgendermaßen:

Ich setzte mich auf das von einem Spielplatz entführte Schaukelpferd, bekam die HTC Vive aufgeschnallt und war (natürlich) in einer anderen Welt; Ich saß auf einem immer noch niedlichen Schaukeldrachenpferd in einem dunklen Raum und hörte mir die Instruktionen an. Schnitt: Nun saß ich auf einem echten, furchteinflößenden Drachen – den ich selbst steuern konnte – durch vor und zurückwippen meines Körpers. Was für ein Gefühl! Nach einer langen Nacht vor dem Bildschirm und in meiner eigenen VR in einer Produktionshalle auf einem Gabelstapler flog ich nun auf dem Rücken eines Drachen durch die Lüfte einer düsteren Fantasywelt. Keine Irritationen, wie das Spiel trotz des ungewöhnlichen Controllers funktioniert – keine Motion Sickness – nur ein geiles Gefühl! Ich liebe Hackathons genau dafür!

Auch das Locomotion- Team machte von außen betrachtet sehr … komische Sachen. Sie klemmten eine Art Flipchart zwischen zwei Wandbefestigungen und ließen ihren jeweiligen Probanden, der die VR- Brille aufhatte, mit seinem ganzen Körper dagegen drücken, währenddessen zwei weitere Teammitglieder genau dieses Gewicht auszugleichen versuchten ??? WTF?

Wie auch bei unserem eigenen Projekt mit dem Gabelstapler fehlte es dem Locomotion- Team an geeigneter Hardware. Während wir einfach sowas wie eine Fahrradgabel gebraucht hätten, an die wir unsere Controller geschnallt hätten, benötigte dieses Team etwas Ähnliches, sagen wir das „Lenkrad“ eines Segway.

Endspurt

Bis mittags hatten wir Zeit unser Projekt weiter voran zu treiben. In den frühen Morgenstunden verschwanden dann doch das eine oder andere Teammitglied für kurze Zeit um ein wenig die Augen zu schließen.

Mein Teammate Julia und ich schwebten dagegen getrieben von Energy Drinks durch den Vormittag und versuchten bis zur letzten Minute das Beste aus dem Projekt heraus zu holen.

Und dann fiel die Klappe.

Aufhören konnten wir noch nicht, denn nun ging die Jury durch die Projekte und ließ sie sich von den Entwicklern erklären. Gern hätte ich diese Aufgabe an jemand anderen abgegeben, aber irgendwie waren wir immer noch nur zu zweit.

Der Härtetest: Wir merkten schnell, dass auch die Jury Probleme hatte, unsere Steuerung ohne große Erklärungen gut zu verstehen. Nicht gut. Aber uns fehlte halt die richtige Hardware. Solche Stapler werden im Real Live hinter dem Rücken gesteuert. Das ging in unserer App auch. Aber erklär das mal einem.

Wir haben trotzdem sehr positives Feedback bekommen. Auf der Strecke konnte jedes Jurymitglied unseren Gabelstapler gut bewegen und hatte viel Spaß. Nur beim „aufspießen“ der richtigen Palette gab es den einen oder anderen Unfall. Ich schätze, das ist bei der ersten Fahrt mit einem echten Gabelstapler nicht anders.

Dann war die Jury durch.

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Die Preisverleihung

Endlich möchte man sagen. Kräftezehrend wars. Schon gut, denn wir gingen hinaus, auf die Ausstellungsfläche, nervten Sebastian ein wenig, der noch immer tapfer unseren Stand betreute, und vertrieben uns die Zeit bis zur Verkündung der Gewinner.

Natürlich war ich ein bisschen nervös. Und konnte die Qualität unserer Arbeit natürlich gar nicht einschätzen.

Dann endlich… Trommelwirbel… Peter Legkov und Johannes Start, die schon den ganzen Hackathon als Mentoren aufgetreten waren, führten durch die Preisverleihung.

Machen wir es kurz:

Wir wurden mit dem 3. Platz ausgezeichnet. In unserer Kategorie gewann das „Segway Locomotion“- Konzept, gefolgt von der mittels Hololens und Tracking Handschuh durchgeführten Texteingabe. Für mich jetzt nicht so entscheidend, denn für meinen persönlichen Favoriten der SAE- Studenten wurde eigens eine Kategorie eingeführt, ich habe leider vergessen, welche, aber sie haben gewonnen.

Wie gesagt, allein schon der Name der App „Schaukeldrachenpferd“ in englischen Präsentationen zu hören ist Gold wert. Aber diese App ist einfach … wunderbar. Und wahrscheinlich so schnell nichts vergleichbares erlebbar, außer genau hier. Wo gibt es schon diese App gepaart mit einem Schaukeldrachenpferd?

Und dieses gesamte Team hat auch definitiv alles gegeben. Die ganze Nacht waren sie vollzählig, allein das Modelling des Drachen und des ursprünglichen Pferdes haben mehr als 14 Stunden gebraucht. Einen Sound- Designer hatten sie auch dabei. Für mich eine komplette App, die so von mir aus direkt in die – noch nicht vorhandenen – VR- Spielhallen in Deutschland gehen könnte.

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Mein Fazit

Fast 40 Stunden ohne Schlaf. Aber es war noch nicht zu Ende. Irgendwann läuteten die Glocken. Die Besucher verschwanden und wir mussten unseren Stand abbauen.

Sebastian konnte nicht mehr stehen. Und ich konnte irgendwie gar nichts mehr. Egal.

Einer unser Freunde betreute seinen Stand ebenfalls die ganzen zwei Tage allein und wir starteten einen kleinen Wettbewerb, wer besser jammern konnte.

Nicht nur, denn inzwischen ging das Gerücht rum, dass es irgendwo eine After- Party geben sollte, zu der wir von der Digility sogar mit dem Bus abgeholt werden sollten. Na das wäre doch was!

Wir packten unsere Autos voll, tranken die eine oder andere Dose Bier und warteten auf den ominösen Bus.

Doch es kam keiner.

War dort wirklich eine Party? Eigentlich wollten doch alle nur nach Hause!?

So saßen wir komplett erschöpft auf dem fast leeren Messegelände, philosophierten über die vergangenen Digility Tage und dann hat uns die Party tatsächlich noch gefunden. Auch den Bus, der uns hinbringen sollte, gab es tatsächlich, allerdings war er bereits zwei Stunden zuvor – ohne uns – abgefahren.

Also brauchten wir ein Taxi zu der Party. Per App – kein Problem. Der Taxifahrer fragte noch, was wir denn in DER Gegend wollten, da stünden nur Wohnhäuser und da wäre niemals ‘ne Party.

Nun ja. Wir stiegen am vereinbarten Ort aus – es sah tatsächlich nicht nach Party aus, aber dann haben wir sie gefunden. Versteckt auf einem ziemlich krassen Gelände, weitläufig. Und so. Aus Gründen der Diskretion können wir nicht sagen, mit wem wir so alles gefeiert haben, wo es noch hin ging und was es gab. Es war in jedem Fall eine unvergleichliche Nacht in der wir nicht nur Kontakte über den großen Teich geknüpft, Einblick ins Silicon Valley und die großen Köpfe der Tech- Player kennengelernt haben.

Der nächste und eigentlich auch die folgenden Tage waren dann gerade körperlich … nicht so toll. Aber bis zur nächsten Digility haben wir uns in jedem Fall erholt.

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Torsten Biermann, Gründer und kreativer Unruheherd bei Treffpunkt Idee. Programmiert und probiert leidenschaftlich gern Neues aus.

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